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Tag der Herkunftsmütter:Unsichtbare Geschichten sichtbar machen

Der Tag der Herkunftsmütter macht auf die oft unsichtbare Geschichte von Frauen aufmerksam, die ihr Kind aus Liebe und Verantwortung zur Adoption freigegeben haben.
Von:
Bugce Kader Kuscu
Briefaktion

Jedes Jahr am Samstag vor dem Muttertag wird der „Tag der Herkunftsmütter“ begangen – international bekannt als Birthmother’s Day. Ins Leben gerufen wurde dieser Gedenktag 1990 von betroffenen Frauen in Seattle (USA), um auf die Lebensrealität und die emotionalen Herausforderungen von Frauen aufmerksam zu machen, die ihr Kind zur Adoption freigegeben haben.

Auch heute erleben Herkunftsmütter noch häufig Vorurteile und gesellschaftliche Verurteilung. Begriffe wie „Rabenmutter“ werden verwendet – obwohl ihre Entscheidung oft aus großer Verantwortung, Fürsorge und Liebe heraus getroffen wird.

„Viele Herkunftsmütter entscheiden sich nicht gegen ihr Kind, sondern für dessen Zukunft“, erklärt Barbara Mertmann, Teamleitung des Adoptionsdienstes beim SkF Bergisch Land. Gemeinsam mit Vermittlungsstellen wählen die Frauen sorgfältig geeignete Adoptiveltern aus, weil sie ihrem Kind in ihrer aktuellen Lebenssituation nicht das geben können, was sie sich für dessen Leben wünschen: Sicherheit, Geborgenheit und Perspektiven.

Die Trennung von dem eigenen Kind ist dabei meist mit tiefem Schmerz verbunden. Viele Frauen tragen diesen Verlust ein Leben lang in sich – oft still und im Verborgenen. Umso wichtiger ist es, ihre Geschichten sichtbar zu machen und ihnen mit Respekt und Anerkennung zu begegnen.

Anlässlich des Tages der Herkunftsmütter haben die Adoptions- und Pflegekinderdienste in katholischer Trägerschaft eine besondere Briefaktion initiiert. Adoptiv- und Pflegeeltern verfassten symbolische Briefe an die Herkunftsmütter ihrer Kinder – als Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung. Die Briefe wurden nicht verschickt, sondern stehen stellvertretend für eine öffentliche Geste, die die oftmals unsichtbare Rolle dieser Frauen würdigt.

In vielen der Briefe wird deutlich, wie eng die Geschichten von Herkunfts- und Adoptivfamilien miteinander verbunden sind. Es sind Worte voller Dankbarkeit, Respekt und Mitgefühl. Manche Familien zünden an den Geburtstagen ihrer Kinder bewusst eine Kerze für die Herkunftsmutter an oder sprechen offen über sie als Teil der eigenen Familiengeschichte.

Auch über den Adoptionsdienst des SkF Bergisch Land werden ein- bis zweimal jährlich Briefe von Adoptivfamilien an die leiblichen Eltern weitergeleitet. Darin berichten die Familien von Entwicklungsschritten der Kinder, besonderen Momenten des Alltags und von der tiefen Verbundenheit, die trotz räumlicher Distanz zwischen den beteiligten Familien entstehen kann.

Mit dem Tag der Herkunftsmütter möchten wir dazu beitragen, Verständnis zu fördern und die Perspektive dieser Frauen stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken. Denn hinter jeder Adoptionsgeschichte stehen Menschen, Gefühle und oftmals schwere Entscheidungen – getragen von Verantwortung und Liebe.